Wie stabil ist das Eis der Arktis noch?

Der Klimawandel bedroht die Arktis – was ein Sensor über die zerbrechliche Zukunft des Meereises verrät

Die Arktis verändert sich rasant. Die Eisschmelze schreitet voran, das Meereis wird dünner, poröser und unberechenbarer. Diese Veränderungen stellen nicht nur die Klimaforschung, sondern auch Logistik, Infrastrukturprojekte und Polar-Expeditionen vor enorme Herausforderungen. Wie tragfähig ist das Eis noch? Welche Strukturen verbergen sich unter der Oberfläche? Und wie lassen sich diese zuverlässig messen?
Um diese Fragen zu beantworten, haben Forschende des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im März und Mai 2025 Messungen mit dem Sensor coreFLANGE unter extremen Bedingungen auf dem Meereisrund um Spitzbergen durchgeführt. Der Sensor kam als Teil eines Bohrgestänges zum Einsatz. Ziel: Die mechanische Charakterisierung des Eises in verschiedenen Tiefen und insbesondere in sogenannten Presseisrücken, wo sich Bruchstücke von Eisschollen übereinander schieben.

Integration des Sensors in Bohrer. Bildquelle: AWI

Bisher erfolgte die strukturelle Untersuchung von Presseisrücken oft rein subjektiv – basierend auf Erfahrung und Einschätzung des Gefühls beim Bohrvorgang. Doch die Heterogenität des Eises, etwa durch Schneeauflagen, Hohlräume oder Salzgehalt, lässt sich so nicht ausreichend genau erfassen. Gerade in Zeiten rapider Veränderungen braucht es eine präzisere Herangehensweise die zuverlässigere und einfachere Messungen ermöglicht.

Präzise Kraft- und Drehmomentmessung beim Bohren ins Eis mit coreFLANGE

Der Sensor coreFLANGE in der Variante cF400 wurde zwischen Bohrmaschine und Bohrgestänge montiert und die Größen Drehmoment, Axialkraft, Temperatur, Drehzahl und Beschleunigung in drei Achsen gemessen. Hierbei wurden Daten mit Hilfe der App coreVIEWER in bis zu 5 m dickem Eis aufgezeichnet und ausgewertet.
Es besteht die Vermutung einer Korrelation zwischen der horizontalen Eisstärke und den physikalischen Eigenschaften, der Dichte, dem Salzgehalt und der Porosität
Die Auswertung der Messungen zusammen mit weiteren Messmethoden ergab:

  • Die maximale Festigkeit tritt bei einer Tiefe von 0.35 m auf und beträgt ca. 16 MPa. Die Mitte des Meereises ist ca. 6-mal fester als die Oberfläche.
  • Mit steigender Dichte nimmt die Eisfestigkeit zu, während eine höhere Porosität sie deutlich verringert. Für den Salzgehalt zeigt sich nur ein schwacher, noch nicht klar belegbarer Trend, welcher genauer untersucht werden muss.

Zur Validierung der Messdaten wurden die Bohrungen an einem Testobjekt aus Eis mit Hohlräumen aus definierter Porosität wiederholt, welche ebenfalls deutlich im Drehmomentverlauf zu erkennen waren.

Monitoring ist entscheidend – Sensorik schafft Vertrauen

Die Stabilität des arktischen Eises ist eine entscheidende Kenngröße für den Klimawandel – sowohl als Indikator, als auch als Gefahrenquelle. Nur mit kontinuierlichem, hochauflösendem Monitoring lassen sich verlässliche Aussagen treffen.
Sensoren wie der coreFLANGE helfen dabei die Eisstruktur insbesondere in Presseisrücken objektiv zu charakterisieren, mobil, robust und ohne aufwändige Messinfrastruktur. Sie ersetzen subjektive Einschätzungen durch belastbare Daten, ein entscheidender Schritt für Wissenschaft, Sicherheit und Technik in einer sich verändernden Welt.

Technische Highlights

Die Umsetzung erfolgte mit coreFLANGE und coreVIEWER.

Bereich

Beschreibung

Messgrößen

Drehmoment, Drehzahl, Beschleunigung und Temperatur

Messbereich

400 Nm – 10.000 Nm

Datenübertragung

Bluetooth Low Energy (BLE)

Datenrate

Bis zu 1 kSPS

Schnittstellen

USB, CAN, RS232/422/485, TCP/IP, MQTT

Software

Mobile App, Dashboard und REST-API

Montage

Standard-Flanschmontage, kundenspezifische Anpassungen möglich

Besonderheiten

Kabellose Messung, integrierter Akku, Monitoring & Datenlogging

Lernen Sie innovativen Produkte von uns kennen

coreFLANGE

Kabelloser Drehmoment-Messflansch mit integriertem Akku und Drehzahl

■ Messbereich 500 … 40.000 Nm
■ Nutzung mit kostenfreier App, Logging, Gateway
■ Angepasste Flanschbilder auf Anfrage möglich

coreVIEWER

Kostenfreie App zur Visualisierung, Konfiguration, Logging und Analyse von core sensing Sensoren

■ Schnell, einfach und intuitiv nutzbar
■ Webversion zur Datenvisualisierung verfügbar
■ Export von .csv Dateien zur einfachen Nutzung

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